Joseph Weizenbaum hat die Reaktionen auf sein Programm “Eliza” als großes Missverständnis bezeichnet. Er wollte damit eigentlich aufklären und nicht der KI Vorschub leisten.
Im Grunde ist Eliza im Sinne Weizenbaums als Synonym für die Entwicklung der Informationstechnologie, genauer gesagt für deren Nutzung, zu betrachten: ein großes Missverständnis, das zu Überbewertung und blindem Vertrauen führt. Dieses Missverständnis aufzukären hat er sich auf die Fahnen geschrieben und in aller Welt großen Respekt geerntet.
Joseph Weizenbaum hat der Welt seinen “letzten Service” erwiesen und diese Welt verlassen.
Zu seinem letzten Geburtstag hat er in der SZ ein Resumee seiner Erkenntnisse gezogen. Hier einige Auszüge:
Die komplette Kenntnis der physikalischen, genetischen, neurologischen Strukturen eines Lebewesens genügen nicht, um das Lebewesen zu verstehen.
Es ist im Prinzip unmöglich, den Menschen rein wissenschaftlich zu begreifen. Deswegen ist das Streben, Roboter in Menschgestalt herzustellen, absurd. Es kann nur aus Größenwahn oder Uterusneid entstehen.
Claude Shannons Informationstheorie lehrt uns, dass die Bedeutung einer Nachricht von der Erwartung des Empfängers abhängt. Sie ist nicht messbar, denn Nachrichten sind pure Signale, die keine inhärente Bedeutung bergen.
Die höchste Priorität der Schule ist es, den Schülern ihre eigene Sprache beizubringen, sodass sie sich klar und deutlich artikulieren können: in ihrer stillen Gedankenwelt ebenso wie mündlich und schriftlich. Wenn sie das können, dann können sie auch kritisch denken und die Signale, mit denen sie ihre Welt überflutet, kritisch interpretieren. Wenn sie das nicht können, dann werden sie ihr ganzes Leben lang Opfer der Klischees und Schablonen sein, die die Massenmedien ausschütten.